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Schleswig-Holstein

Sehenswürdigkeiten in Schleswig-Holstein

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Kultur & Sagen

Sagen von Halligen, Nordsee und der versunkenen Stadt Rungholt

Wo das Meer das Land formt, erzählt man sich Geschichten von Untergang und Hochmut. Die Westküste hat ihre ganz eigenen Sagen, die nichts mit den Seeräuber-Legenden der Ostsee zu tun haben.

Rungholt – das versunkene „Atlantis der Nordsee"

In der verheerenden Sturmflut von 1362, der „Grote Mandränke" (Großes Menschen-Ertränken), versank die Stadt Rungholt im Wattenmeer zwischen den heutigen Inseln Nordstrand und Pellworm. Der Sage nach war Rungholt eine reiche, aber gottlose Stadt: Übermütige Bürger sollen einem Priester statt eines Kranken ein betrunkenes Schwein zur letzten Ölung vorgeführt und ihn zum Mittrinken gezwungen haben – die Flut kam als Strafe. Dieses spöttische Gott-Herausfordern ist als „Trincklatein" überliefert. Tatsächlich finden sich bis heute Reste der Siedlung im Watt; bei Hallig Südfall wurden 2023 Überbleibsel von über 50 Warften samt Kirchenfundament nachgewiesen.

Der Schimmelreiter – Hauke Haien und der Deich

Theodor Storms berühmteste Novelle „Der Schimmelreiter" erschien im April 1888, wenige Monate vor seinem Tod. Sie erzählt vom fiktiven Deichgrafen Hauke Haien, der in Nordfriesland einen neuen, besseren Deich durchsetzt und am Ende in einer Sturmflut untergeht. Seither soll sein Geist als gespenstischer Reiter auf einem Schimmel über die Deiche jagen, wenn schwere Fluten drohen. Storm schöpfte aus einer alten Küstensage; die Novelle prägt das Bild vom Kampf zwischen Deich und Sturmflut bis heute.

Halligsagen und die Macht der Sturmfluten

Auf den Halligen leben die Menschen seit Jahrhunderten im Rhythmus der Fluten. Das „Land unter", bei dem nur noch die Warften aus dem Wasser ragen, ist hier Alltag und Stoff zahlreicher Erzählungen. Die Sagen der Westküste drehen sich immer wieder um dieselbe Erfahrung: das Ringen mit einem Meer, das geben und nehmen kann.

Sehenswert

Kohl, Krabben und Wikinger: Stopps für Regentage in Schleswig-Holstein

Die Küche des Nordens ist bodenständig und arbeitet mit dem, was Küste und Marsch hergeben. Fünf Dinge stehen dabei auf fast jeder Karte.

Vom Feld und aus dem Meer

  • Dithmarscher Kohl: Dithmarschen ist das größte zusammenhängende Kohlanbaugebiet Europas – auf rund 3.000 Hektar wachsen jährlich um die 80 bis 90 Millionen Kohlköpfe, etwa ein Drittel der deutschen Ernte. Gefeiert wird das beim Erntefest der Dithmarscher Kohltage, das seit 1986 alljährlich in der dritten vollen Septemberwoche stattfindet. Dithmarscher Kohl trägt seit 2014 die geschützte EU-Herkunftsangabe.
  • Husumer Krabben: Die kleinen Nordseekrabben, frisch gepult, sind die Spezialität der Westküste – am besten direkt am Hafen genossen.
  • Friesentorte: Der Klassiker aus Blätterteig, Sahne und Pflaumenmus gehört auf jede norddeutsche Kaffeetafel.
  • Rote Grütze: Das Dessert aus roten Beeren mit Vanillesauce ist ein fester Bestandteil der norddeutschen Küche.
  • Birnen, Bohnen und Speck: Das deftige norddeutsche Eintopfgericht aus grünen Bohnen, Kochbirnen und durchwachsenem Speck wärmt nach einer kühlen Etappe.

Hinweis zur Teekultur: Die berühmte Teezeremonie mit Kluntje und Sahnewölkchen ist ostfriesisch und gehört damit nach Niedersachsen, nicht ins nordfriesische Schleswig-Holstein; seit 2016 steht sie im Bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Tee wird in Nordfriesland ebenfalls reichlich getrunken, nur ohne das feste Zeremoniell.

Geschichte zwischen den Mächten

Schleswig-Holstein war jahrhundertelang Grenz- und Streitland. Mit Haithabu und Danewerk lässt sich die Wikingerzeit greifen, als hier wichtige Handels- und Verteidigungslinien Nordeuropas verliefen. Später war das Herzogtum Schleswig eng mit der dänischen Krone verbunden – die „Schleswig-Holstein-Frage" und der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 entschieden über die Zugehörigkeit der Region. Diese deutsch-dänische Doppelgeschichte ist bis heute an Ortsnamen, Sprache und Kultur ablesbar.

Ein Meilenstein der Technikgeschichte ist der Nord-Ostsee-Kanal: Die künstliche Wasserstraße zwischen Nord- und Ostsee wurde am 20. und 21. Juni 1895 feierlich eröffnet. Kaiser Wilhelm II. legte den Schlussstein in Holtenau und taufte den Kanal zu Ehren seines Großvaters auf den Namen „Kaiser-Wilhelm-Kanal" – erst 1948 erhielt er die heutige Bezeichnung.

Lohnende Schlechtwetter-Stopps

  • Wikinger Museum Haithabu bei Schleswig – Funde und rekonstruierte Wikingerhäuser direkt an der Schlei.
  • Schloss Gottorf in Schleswig – Landesmuseen für Kunst und Kulturgeschichte unter einem Dach.
  • Multimar Wattforum in Tönning – das große Informationszentrum des Nationalparks Wattenmeer mit Aquarien und Walskelett, ideal an einem Regentag.
Sehenswert

Naturstopps zwischen Wattenmeer, Schlei und Halligen

Zwischen den Etappen liegt eine Naturkulisse, die es in dieser Form nur an der Nordsee gibt: Watt und Deichlinie, davor die Salzwiesen, dahinter Marsch, Geest und die Knicks als Wallhecken.

Nationalpark Wattenmeer – UNESCO-Weltnaturerbe

Das schleswig-holsteinische Wattenmeer ist Nationalpark und gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Bei Ebbe fällt das Meer kilometerweit zurück und gibt den Meeresboden frei – eine der weltweit größten zusammenhängenden Wattflächen. Geführte Wattwanderungen führen hinaus auf den trockengefallenen Meeresboden – ohne Führung und ohne Kenntnis der Gezeiten geht das nicht. Auf den Sandbänken sonnen sich Seehunde, und im Frühjahr und Herbst rasten hier Millionen Zugvögel – das Wattenmeer ist eine der bedeutendsten Drehscheiben des europäischen Vogelzugs.

Deiche, Salzwiesen und der Blick auf das Meer

Die Deiche prägen das gesamte Küstenbild und schützen die tief liegende Marsch vor den Fluten. Davor liegen die Salzwiesen – ein vom Salzwasser geprägter Lebensraum mit eigener Pflanzen- und Tierwelt, der bei Sturmflut überspült wird. Gefahren wird binnendeichs; für den Blick über Watt und Salzwiese hält man an einem der Deichübergänge und geht die letzten Meter zu Fuß hinauf.

Geest und Marsch – zwei Landschaften, ein Land

Schleswig-Holstein lebt vom Gegensatz zweier Landschaftstypen: Die Marsch ist das flache, fruchtbare Schwemmland direkt hinter den Deichen, dem Meer abgerungen und tiefliegend. Die Geest dagegen ist das höher gelegene, von eiszeitlichen Sandern und Moränen geprägte Altland im Landesinneren – karger, hügeliger, mit Heide und Wald. Der Wechsel zwischen beiden ist beim Fahren deutlich spürbar.

Knicks – die Wallhecken des Nordens

Typisch für die Kulturlandschaft sind die Knicks: aufgeworfene Erdwälle mit dicht gewachsenen Hecken, die seit Jahrhunderten Felder voneinander trennen, Vieh halten und Wind brechen. Sie sind ein wertvoller Lebensraum für Vögel und Kleintiere und geben der Geest ihr charakteristisches, kammartiges Muster. Foto-Stopps lohnen besonders dort, wo ein gerader Weg zwischen zwei Knicks bis zum Horizont führt.

Westseite und Ostseite: dasselbe Land, zwei Fahrprogramme

Segelboote im Hafenbecken vor Backsteinhäusern
Glückstadts Hafen ist auch Motorradtreff

Eine Woche im Norden ist faktisch die Planung von zwei Revieren. Auf der Nordseeseite folgt die Straße der Entwässerung und nicht dem Gelände: lange Geraden, Abzweige im rechten Winkel, kilometerweite Sicht, kaum Bebauung zwischen den Orten. Das Tempo bleibt über weite Abschnitte konstant, Gegenverkehr steht früh im Blickfeld, und die Schaltarbeit beschränkt sich auf Ortseingänge. Auf der Ostseeseite dreht sich das um. Förden, Buchten und Seen zwingen die Straßen in Bögen, Waldstücke und Gutsdörfer unterbrechen den Rhythmus alle paar Kilometer, die Abzweigdichte steigt deutlich.

Das hat Folgen für die Tagesplanung. Im Westen bringt man Strecke weg, ohne dass es anstrengt — was auf der Karte nach viel aussieht, ist dort ein ruhiger Nachmittag. Im Osten kostet dieselbe Distanz spürbar mehr Zeit, weil jede Bucht umfahren werden will und in der Saison Ferienverkehr dazukommt. Wer beide Seiten in eine Etappe legt, plant den Wechsel als eigenen Abschnitt ein: Der Übergang vom weiten Marschland ins kleinteilige Hügelland dauert keine Stunde, und mit ihm ändert sich das komplette Fahrgefühl — von langem Rollen auf gleichbleibender Linie zu ständigem Anlegen und Aufrichten.

Marsch und Köge: Fahren auf gemachtem Land

Die Straßen der Westküste sind das Ergebnis von Landgewinnung in Etappen, kein gewachsenes Netz. Jeder Koog wurde einzeln eingedeicht, und die Straßen laufen bis heute auf den alten Deichlinien. Daraus entsteht ein Muster, das man nach der ersten Stunde liest: sehr lange Geraden, dann ein abrupter Knick um neunzig Grad, weil dort die alte Deichlinie endete. Diese Ecken kommen ohne Vorwarnung durch das Gelände — es gibt keinen Hang, keine Baumreihe, keinen Höhenversatz, der sie ankündigt. Wer sich auf den langen Geraden treiben lässt, steht plötzlich vor einer engen, oft schlecht einsehbaren Kurve mit Sandeintrag am Scheitel.

Motorräder an Bord einer Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal
Nur die Fähren über den Nord-Ostsee-Kanal sind kostenlos

Der Untergrund arbeitet. Marschboden setzt sich, deshalb sind viele Nebenstrecken wellig, flickenreich und an den Rändern abgesackt. Ausweichraum gibt es dabei praktisch nicht: Neben dem Asphalt liegt in der Regel sofort ein Entwässerungsgraben, teils tief, teils wassergefüllt und im Sommer von Schilf verdeckt. Ein Verbremser ins Bankett endet hier anders als auf einer Wiese. Dazu kommt, dass viele dieser Straßen Sackgassen sind — sie führen an den Deich, an ein Siel oder ein Sperrwerk und hören dort auf. Das ist landschaftlich der Höhepunkt, kostet aber Zeit für den Rückweg auf derselben Linie.

Ein verbreiteter Irrtum: Auf der Deichkrone fährt man nicht. Die Wege oben sind Deichverteidigungswege und für den allgemeinen Verkehr gesperrt, oft zusätzlich durch Weidetore und Viehgatter gesichert, weil Schafe die Grasnarbe kurz und fest halten. Die Motorradstrecke verläuft binnendeichs, meist ein bis zwei Kilometer parallel — den Blick aufs Wasser holt man sich an den ausgewiesenen Deichübergängen zu Fuß.

Die Geest als Rückgrat der Nord-Süd-Achsen

Zwischen den beiden Küsten liegt der Geestrücken, und der ist mehr als eine Landschaftsform — er ist der Grund, warum die Hauptverbindungen dort verlaufen, wo sie verlaufen. Sandiger, trockener, tragfähiger Boden war schon vor der Straßenzeit die einzige verlässliche Nord-Süd-Route zwischen den Sümpfen im Westen und dem seenreichen Osten. Der historische Ochsenweg, auf dem jahrhundertelang Vieh aus Jütland Richtung Süden getrieben wurde, folgt genau dieser Linie; die heutigen Durchgangsstraßen liegen streckenweise darauf.

Fahrerisch ist die Geest der Ausgleich zwischen den Extremen. Statt Tafelebene oder Endmoränenhügeln gibt es flache, lange Wellen, Kiefernstücke, Heideflächen, Sandgruben und die typischen Knicks als Wallhecken entlang der Feldkanten. Die Straßen sind älter und schmaler als in der Marsch, häufig stark gewölbt, mit Frostaufbrüchen an den Rändern nach dem Winter. Wo die Geest an das östliche Hügelland stößt, wird es kurzzeitig richtig bewegt: Die Hüttener Berge zwischen Rendsburg und Eckernförde bringen mit dem Aschberg auf gut hundert Metern echte Steigungen, Gefälle und Kurven mit Kuppenversatz — auf wenigen Kilometern, aber deutlich sportlicher als alles ringsum.

Für die Tourplanung ist die Geest das Verbindungsstück. Sie ist die Achse, auf der man von Nord nach Süd Strecke macht, und der Streifen, über den man ohne Umweg von einer Küste zur anderen wechselt. Wildwechsel an den Waldkanten ist hier das reale Thema, vor allem in den letzten beiden Stunden vor Einbruch der Dunkelheit.

Schlei und Angeln: die Uferwahl entscheidet über die Etappe

Die Schlei schneidet über gut vierzig Kilometer ins Land und trennt Angeln im Norden von Schwansen im Süden. Querungsmöglichkeiten gibt es nur wenige, und genau das macht die Planung hier anders als überall sonst im Land: Man entscheidet sich früh für ein Ufer, sonst kostet die Korrektur eine halbe Etappe. Neben den festen Übergängen gibt es zwei kleine Fähren — bei Missunde und zwischen Arnis und Sundsacker —, die den Weg deutlich abkürzen können. In Kappeln unterbricht die Klappbrücke den Verkehr, wenn sie für die Schifffahrt öffnet; das ist eingeplante Standzeit, keine Störung.

Angeln selbst ist das grünste Stück Land im Norden und fahrerisch das anspruchsvollste außerhalb der Hügelketten. Die Straßen sind schmal, oft ohne Mittellinie, und sie verlaufen zwischen Knicks, die zwei bis drei Meter hoch stehen. Diese Wallhecken nehmen die Sicht vollständig — eine Kurve hinter einem Knick ist blind, und was dahinter steht, sieht man erst beim Einlenken. Landwirtschaftlicher Querverkehr aus Hofzufahrten kommt hier ohne Vorlauf. Dafür bekommt man Kurvenfolgen, Gefälle zu den Ufern hinunter und Ausblicke auf das Wasser, die es an der Westküste in dieser Form nicht gibt. Auf der Südseite ist Schwansen ruhiger und weiter, mit weniger Verkehr und größeren Feldschlägen.

Kanal, Fähren und Verladung: das Wasser als Taktgeber

Unten durch: die Kanalfähren

Der Nord-Ostsee-Kanal teilt das Land auf ganzer Breite, und die kleinen Fahrzeugfähren, die ihn queren, sind für Motorradfahrer die angenehmste Art des Übersetzens. Sie fahren ohne festen Fahrplan, pendeln bei Bedarf und kosten nichts. Die Schifffahrt hat Vorrang: Nähert sich ein Frachter, bleibt die Fähre am Ufer liegen, und dann steht man eben. Diese Wartezeit ist der eigentliche Grund, sie einzuplanen und nicht auf die Minute zu kalkulieren. Übergänge wie Sehestedt, Breiholz oder Hochdonn liegen so verteilt, dass sich fast jede Runde durch die Landesmitte darüber legen lässt.

Zwei Dinge sind beim Auffahren zu beachten: Die Rampen sind Stahl und bei Nässe glatt, und sie stehen je nach Wasserstand schräg. Also gerade auffahren, nicht auf der Rampe lenken, kein Fußabsetzen im Anstieg. An Bord steht die Maschine auf Stahldeck — Seitenständer auf einer Riffelplatte hält, wenn der Untergrund eben ist, bei Schräglage der Rampe lieber warten, bis das Deck flach liegt.

Oben drüber: die Hochbrücken

Die Alternative sind die Hochbrücken, die den Kanal in großer Höhe überspannen, damit die Seeschifffahrt frei durchläuft. Für Straßenfahrzeuge sind unter anderem die Übergänge bei Brunsbüttel, die Rader Hochbrücke im Zuge der Autobahn bei Rendsburg sowie die Querungen bei Levensau und Holtenau relevant. Alle haben dasselbe Merkmal: Man kommt aus dem Windschatten des flachen Landes und ist auf der Rampe schlagartig frei exponiert, in voller Höhe, ohne seitliche Deckung. Das ist die Stelle, an der ein an sich harmloser Tag mit Windstärke vier unangenehm werden kann.

Verladen: Sylt, Inseln und Halligen

Nach Sylt führt keine Straße. Die Insel hängt über den Hindenburgdamm am Festland, und der ist eine reine Bahnstrecke — das Motorrad reist im Autozug ab Niebüll mit, gefahren wird erst wieder auf der Insel. Beim Verladen ist auf gesicherten Stand zu achten, und auf dem offenen Damm ist mit Wind zu rechnen. Föhr und Amrum werden ab Dagebüll per Fähre angelaufen, Pellworm ab Nordstrand, das selbst über einen Straßendamm erreichbar ist.

Die Halligen sind dagegen keine Motorradziele, und das ist eine bauliche Tatsache, kein Formfehler in der Planung. Oland und Langeneß hängen über einen Lorendamm am Festland — eine Schmalspurtrasse für Loren, keine befahrbare Straße. Andere Halligen erreicht man nur per Schiff, und der Fahrzeugverkehr ist dort stark eingeschränkt. Die Maschine bleibt am Festland, der Besuch ist ein Fußtag.

Wind, Alleen und Pflaster: die drei Konstanten im Fahrtag

Der Wind ist hier eine Randbedingung, kein Wetterereignis. Entscheidend ist nicht die Dauerlast — an konstanten Seitendruck gewöhnt man sich nach zwanzig Minuten —, sondern der Wechsel. Genau der ist im Norden ständig da: hinter einem Knick Ruhe, zehn Meter weiter offenes Feld, hinter einer Baumreihe wieder Deckung, dann eine Lücke. Die Maschine wird versetzt, sobald die Deckung endet, und noch einmal, wenn man in den nächsten Windschatten einfährt. Auf Landstraßen hinter einem Lkw herzufahren und auszuscheren, bringt beides in einer Sekunde. Praktische Konsequenz: Tempo zurücknehmen, Oberkörper locker, Lenker nicht verkrampft halten, und bei Böen aus Nordwest eher mittig in der Spur bleiben statt am rechten Rand.

Alleen prägen große Teile des Nebenstraßennetzes. Sie sind schön und gleichzeitig die riskanteste Straßenform der Region: Die Stämme stehen dicht am Fahrbahnrand, Schutzplanken fehlen meist, und der Wurzeldruck hebt den Asphalt in Wellen an. Bei tiefstehender Sonne erzeugt die Baumreihe ein hartes Hell-Dunkel-Flackern, das Schlaglöcher unsichtbar macht — ein gutes Argument für ein sauberes, unverkratztes Visier. Nach Regen bleibt der Asphalt im Schatten der Kronen lange feucht, während die freie Strecke daneben längst abgetrocknet ist. Im Herbst kommt nasses Laub dazu, das sich in den Kurven außen sammelt.

Pflaster trifft man in den alten Hafen- und Ortskernen, häufig als grobes Kopfsteinpflaster mit ausgefahrenen Rinnen entlang der Häuserzeilen. Trocken ist das nur unbequem, nass wird es ernst — besonders beim Abbiegen aus dem Pflaster auf Asphalt und umgekehrt, wo die Kante quer zur Fahrtrichtung liegt. Dasselbe gilt für die Stahlbeläge auf Klappbrücken und Fährrampen. Die Regel ist überall dieselbe: vorher bremsen, aufrecht drüber, Gas gleichmäßig halten, nicht auf dem Belag korrigieren.

Husum, Rendsburg, Haithabu: die Ziele zwischen Nord- und Ostsee

Zwischen den Meeren zählt nicht die Kurvenzahl, sondern der Wechsel der Landschaft: statt Serpentinen lange Deichstraßen, Marschland bis zum Horizont und Ziele, die eine eigene Etappe tragen. Abseits von Lübeck und der Holsteinischen Schweiz liegt die ursprünglichste Seite des Nordens an der Nordsee-Westküste, an der Schlei und am Kanal.

Husum – die graue Stadt am Meer

Husum ist die Geburtsstadt des Dichters Theodor Storm, der seiner Heimatstadt in einem Gedicht den bis heute geläufigen Beinamen „graue Stadt am Meer" gab. Der Binnenhafen reicht bis mitten ins Stadtzentrum, und das Storm-Haus, sein früheres Wohnhaus, ist heute Museum. Husum ist der praktische Ankerpunkt für Touren auf die Halbinsel Eiderstedt und zu den Halligen.

St. Peter-Ording – Deutschlands einziger Autostrand

St. Peter-Ording ist der bekannteste Badeort der Westküste. Wahrzeichen sind die Pfahlbauten – auf bis zu sieben Meter hohen Holzpfählen ruhende Bauten mit Restaurants, Cafés und Sanitäranlagen, die so über Sturmfluten hinweg trockenen Fußes erreichbar bleiben. Eine Besonderheit: Auf den Strandabschnitten Ording-Nord und Böhl darf der Strand mit dem Fahrzeug befahren werden – St. Peter-Ording gilt als einziger Autostrand Deutschlands.

Friedrichstadt – das Holländerstädtchen mit Grachten

Friedrichstadt wurde 1621 von niederländischen Glaubensflüchtlingen planmäßig gegründet. Bis heute prägen Grachten, Treppengiebel und Backsteinarchitektur im Stil der holländischen Renaissance das Bild – ein kleines Stück Niederlande in Nordfriesland. Über die Grachten werden Bootsrundfahrten angeboten, und der geschlossen erhaltene Ortskern lässt sich in den engen Gassen zu Fuß abgehen.

Rendsburg – Hochbrücke und Schwebefähre über den Nord-Ostsee-Kanal

Bei Rendsburg überspannt die Eisenbahnhochbrücke den Nord-Ostsee-Kanal, errichtet von 1911 bis 1913. An ihr hängt eine technische Rarität: die Schwebefähre, die seit 1913 Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuge etwa drei Meter über dem Wasser von Ufer zu Ufer trägt. Sie zählt weltweit zu den letzten erhaltenen Bauwerken dieser Art; nach einer Havarie 2016 fährt seit 2022 ein originalgetreuer Nachbau. Von der Fähre aus sieht man die Brückenkonstruktion von unten – für Technikinteressierte der Grund, hier einen Halt einzuplanen.

Haithabu und Danewerk – Wikinger-Welterbe bei Schleswig

Am Ufer der Schlei bei Schleswig liegt mit Haithabu einer der bedeutendsten Handelsplätze der Wikingerzeit. Zusammen mit dem mittelalterlichen Grenzwall Danewerk bildet der „Archäologische Grenzkomplex Haithabu und Danewerk" seit 2018 UNESCO-Welterbe. Das Wikinger Museum Haithabu mit den rekonstruierten Häusern macht die Epoche vom 8. bis 11. Jahrhundert anschaulich erfahrbar.

Schloss Gottorf in Schleswig

Schloss Gottorf ist eines der größten Schlösser des Landes und beherbergt die Schleswig-Holsteinischen Landesmuseen mit Kunst- und Kulturgeschichte. Es steht auf einer Insel am Schlei-Ufer und trägt einen Tag in Schleswig auch dann, wenn das Wetter die Runde durch Angeln verhindert.

Kappeln an der Schlei

Kappeln liegt am Wasser der Schlei, jenem schmalen, fjordartigen Ostsee-Arm, der sich tief in die Landschaft Angeln zieht. Die Straßen an beiden Schlei-Ufern gehören zu den entspanntesten Strecken des Bundeslandes: wenig Verkehr, weiche Bögen und über weite Abschnitte Blick aufs Wasser.

Die Halligen und die Leuchttürme der Westküste

Die Halligen im Wattenmeer sind kleine, undeichte Marschinseln, deren Häuser auf künstlich aufgeworfenen Erdhügeln, den Warften, stehen – bei schwerem Hochwasser steht das Land ringsum unter Wasser, nur die Warften ragen heraus. An Land setzt der Leuchtturm Westerheversand auf Eiderstedt den markantesten Akzent: 1906 auf einer Warft errichtet, ist der rot-weiße Turm das fotografierte Wahrzeichen der Halbinsel.

Fehmarn und die Fehmarnsundbrücke

Am nordöstlichen Ende des Landes liegt Fehmarn, erreichbar über die Fehmarnsundbrücke – wegen ihrer Bogenform „Kleiderbügel" genannt. Die kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke ging am 30. April 1963 in Betrieb, ist 963 Meter lang und seit 1999 denkmalgeschützt. Für Touren in Schleswig-Holstein ist die Insel meist kein Ziel, sondern ein Übergang: Über sie läuft die Vogelfluglinie zum Fährhafen Puttgarden und weiter nach Dänemark. Wer bleibt, bekommt Deichstraßen, Steilufer an der Ostküste und den stärksten Wind, den das Land zu bieten hat.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Der Elisabethturm auf dem Bungsberg, dem höchsten Punkt Schleswig-Holsteins

Bungsberg mit Elisabethturm

Höchste Erhebung Schleswig-Holsteins mit 167 Metern (168 laut Gipfelschild). Vom Elisabethturm und der kostenlosen Plattform am Fernmeldeturm reicht der Blick über die Seen der Holsteinischen Schweiz bis zur Ostsee.

Anfahrt
Über Schönwalde am Bungsberg, rund 10 km westlich der A1; von dort eine Stichstraße hinauf zur Kuppe.
Motorrad-Parken
Parkflächen an der Kuppe beim Turm; für Motorräder unproblematisch.
Öffnungszeiten
Plattform am Fernmeldeturm kostenlos frei zugänglich; Elisabethturm saisonal geöffnet.
Höhe/Aussicht
167,4 m ü. NHN, höchster Punkt des Landes; Aussichtsplattform am Fernmeldeturm in 40 m Höhe.

Rendsburger Hochbrücke mit Schwebefähre

Eisenbahn-Hochbrücke von 1913 über den Nord-Ostsee-Kanal, darunter die 2022 neu in Betrieb genommene Schwebefähre. Markanter Foto-Stopp am meistbefahrenen künstlichen Seeweg der Welt.

Anfahrt
In Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal; Schwebefähre-Anleger auf der Rendsburger und der Osterrönfelder Kanalseite.
Motorrad-Parken
Stellflächen an den Uferwegen und Anlegern beidseits des Kanals.
Öffnungszeiten
Uferwege frei zugänglich; Schwebefähre verkehrt tagsüber im Pendeltakt (Betrieb seit 2026 durch Adler-Schiffe).
Höhe/Aussicht
Brücke 68 m hoch, 42 m lichte Durchfahrt über dem Kanal.

Leuchtturm Westerheversand

Leuchtturm von 1908 in den Salzwiesen der Halbinsel Eiderstedt, rund 1.000 Meter vor dem Deich mitten im Wattenmeer-Nationalpark. Einer der bekanntesten Foto-Stopps der Nordseeküste.

Anfahrt
Über die B5 bis Tönning/Garding, weiter auf Nebenstraßen nach Westerhever; ab dem Deichparkplatz rund 1 km zu Fuß durch die Salzwiesen.
Motorrad-Parken
Parkplatz am Deich bei Westerhever; der Turm selbst ist nur zu Fuß erreichbar.
Öffnungszeiten
Außengelände frei zugänglich; Turmbesteigung nur im Rahmen saisonaler Führungen.
Höhe/Aussicht
Feuerhöhe 41 m; seit 2001 im Rahmen von Führungen begehbar.

Holstentor Lübeck

Spätgotisches Stadttor von 1478 und Wahrzeichen Lübecks; die Altstadt gehört seit 1987 zum UNESCO-Welterbe. Im Tor sitzt seit 1950 das Stadtgeschichtliche Museum.

Anfahrt
Über die A1 nach Lübeck; das Holstentor steht am westlichen Altstadtrand an der Trave, kurz hinter dem Hauptbahnhof.
Motorrad-Parken
Parkhäuser und Motorrad-Stellflächen am Altstadtrand rund um den Holstentorplatz.
Öffnungszeiten
Bauwerk außen frei zugänglich; Museum im Holstentor mit regulären Öffnungszeiten (kostenpflichtig).

Schloss Plön am Großen Plöner See

Weißes Renaissanceschloss von 1633–1636 auf einer Anhöhe über dem Großen Plöner See, mit gut 2.800 Hektar der größte See des Landes. Foto-Stopp mit weitem Blick über die Holsteinische Schweiz.

Anfahrt
An der B76 zwischen Kiel und Eutin; in Plön Richtung Schlossberg.
Motorrad-Parken
Parkplätze in der Plöner Innenstadt und am Schlossgebiet.
Öffnungszeiten
Schlosspark und Aussichtspunkte frei zugänglich; das Schloss selbst wird von der Fielmann-Akademie genutzt und ist regulär nicht öffentlich zu besichtigen.
Höhe/Aussicht
Schlossberg über dem Seespiegel — Panoramablick über See und Seenplatte.

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