Der Wind ist hier eine Randbedingung, kein Wetterereignis. Entscheidend ist nicht die Dauerlast — an konstanten Seitendruck gewöhnt man sich nach zwanzig Minuten —, sondern der Wechsel. Genau der ist im Norden ständig da: hinter einem Knick Ruhe, zehn Meter weiter offenes Feld, hinter einer Baumreihe wieder Deckung, dann eine Lücke. Die Maschine wird versetzt, sobald die Deckung endet, und noch einmal, wenn man in den nächsten Windschatten einfährt. Auf Landstraßen hinter einem Lkw herzufahren und auszuscheren, bringt beides in einer Sekunde. Praktische Konsequenz: Tempo zurücknehmen, Oberkörper locker, Lenker nicht verkrampft halten, und bei Böen aus Nordwest eher mittig in der Spur bleiben statt am rechten Rand.
Alleen prägen große Teile des Nebenstraßennetzes. Sie sind schön und gleichzeitig die riskanteste Straßenform der Region: Die Stämme stehen dicht am Fahrbahnrand, Schutzplanken fehlen meist, und der Wurzeldruck hebt den Asphalt in Wellen an. Bei tiefstehender Sonne erzeugt die Baumreihe ein hartes Hell-Dunkel-Flackern, das Schlaglöcher unsichtbar macht — ein gutes Argument für ein sauberes, unverkratztes Visier. Nach Regen bleibt der Asphalt im Schatten der Kronen lange feucht, während die freie Strecke daneben längst abgetrocknet ist. Im Herbst kommt nasses Laub dazu, das sich in den Kurven außen sammelt.
Pflaster trifft man in den alten Hafen- und Ortskernen, häufig als grobes Kopfsteinpflaster mit ausgefahrenen Rinnen entlang der Häuserzeilen. Trocken ist das nur unbequem, nass wird es ernst — besonders beim Abbiegen aus dem Pflaster auf Asphalt und umgekehrt, wo die Kante quer zur Fahrtrichtung liegt. Dasselbe gilt für die Stahlbeläge auf Klappbrücken und Fährrampen. Die Regel ist überall dieselbe: vorher bremsen, aufrecht drüber, Gas gleichmäßig halten, nicht auf dem Belag korrigieren.